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Der Herndl, die Lichtmess, Hadeloga und der Heilige Blasius. Reichhaltiges Brauchtum zu Beginn des Monats Februar

Reichhaltiges Brauchtum zu Beginn des Monats Februar 

Wie in den meisten Kirchen unser pastorales Raumes wurde auch in der Filialkirche Neuses am Berg der Blasiussegen erteilt. Heuer am Sonntag, den 1. Februar anlässlich eines Wortgottesdienstes. Zelebrant Otto Kram sprach den persönlichen Segen in der bekannten, traditionellen Formel und mit zwei gekreuzten, brennenden Kerzen, die er dem Empfänger entgegenhält.
Doch dies ist nur einer von zahlreichen religiösen und weltlichen Gebräuchen, die sich in großer Zahl um die ersten Februartage drängen und diese mit spiritueller Symbolik aufladen:
Schon in vorchristlicher Zeit, bei den Römern, wurde Anfang Februar über Tage hinweg ein umfangreiches Reinigungsfest zelebriert, dessen Kern lateinisch „februa“ genannt wurde. Unschwer ist zu erkennen, dass sich daraus der Monatsname ableitet. „februa“ wurden damals schmal geschnittene Riemen aus Ziegenfell genannt. Mit diesen schlugen Priestern im Rahmen der rituellen Reinigungszeremonien junge Frauen, das sollte sie vor Unfruchtbarkeit schützen.
Maria Lichtmess wird am 2. Februar, genau 40 Tage nach Jesu Geburt, gefeiert. Diese Zeitspanne bezieht sich auf eine jüdische Vorschrift. Mütter durften in den jüdischen Gemeinden bzw. in Jerusalem nach diesem Zeitraum, gerechnet ab Geburt ihres Kindes, wieder den Tempel besuchen, wenn sie zuvor ein Reinigungsopfer darbrachten. Eine weitere Vorschrift verlangte, zu diesem Zeitpunkt jeden Erstgeborenen Gott symbolisch durch einen Besuch im Tempel zu weihen. Als eine Kombination aus diesen beiden ursprünglich mosaischen Riten „Jesu Opferung“ und „Mariä Reinigung“ hat sich seit dem 4. Jahrhundert das Hochfest Maria Lichtmess etabliert. Nach altem Brauch endet erst an diesem Tag die Weihnachtszeit. Überhaupt ist die 40 im Christentum ein wichtiges Symbol. 40 Tage währte z.B. die Sintflut, Moses verbrachte 40 Tage auf dem Berg Sinai und 40 Tage dauert die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag.
Dass Anfang Februar die Themen Reinigung und Licht in Religion und Kult eine solche Rolle spielen, dürfte seinen Ursprung im jahreszeitlichen Geschehen der Natur haben, dem der Mensch in früherer Zeit viel stärker als heute ausgeliefert war. Die Tage werden länger, es regt sich was in der Natur, aus winterlicher Ruhe oder Absterben entsteht neues Leben. „An Lichtmess kann der Herr bei Tag‘ ess‘“ lautet ein Sprichwort. Das Tageslicht währt jetzt bereits eine Stunde länger und aus dem Spruch lässt sich sogar ableiten, dass die Herrschaften früher gegen 17:30 Abendessen hatten. An Lichtmess endete noch bis vor wenigen Jahrzehnten das bäuerliche Wirtschaftsjahr. Knechte und Mägde erhielten ihren Jahreslohn. Die christlichen Feiertage ermöglichten ihnen ein paar arbeitsfreie Tage und auch Arbeitsstellen wurden gewechselt. Die Bauernregel weiß: „Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist das Frühjahr nicht mehr weit. Ist es aber warm und hell, kommt der Frühling nicht so schnell.“ Gerade für die Kitzinger wartet der 2. Februar noch mit einem besonderen Gedenken auf, denn er ist der Namenstag der Hl. Hadeloga von Kitzingen. Die Legende von ihrem Schleier ist jedoch eine andere Geschichte.

Der 1. Februar, in Altbayern und Österreich „Der Herndl“ genannt, ist als Vorabend von Lichtmess ebenfalls ein wichtiger Lostag mit einer ganz ähnlichen Wetterregel: „Geht’s Herndl ein mit Saus und Braus, so halten’s Vieh und Mensch leicht aus. Kimmt’s aber in der Still‘, so haben Tier und Mensch net viel.“ Auf den ersten Blick erscheinen die beiden Regeln paradox. Wie kann Wärme an diesem Tag nachteilig für die Jahresentwicklung sein? Jeder Landwirt kann das heute noch unschwer nachvollziehen, denn eine Wärmeperiode Anfang Februar bedeutet Gefahr von Frühjahrstrockenheit und Spätfröste schädigen die vorzeitig ausgetriebene Vegetation besonders stark. Der Name „Herndl“ leitet sich übrigens vom Ignatius von Antiochien ab, dessen Gedenktag nach kirchlichem Kalender bis in die 1960er Jahre der 1. Februar war. Wie es zu dieser Lautverschiebung von Ignaz zu Herndl kam, wissen wohl nur die Einheimischen, wenn überhaupt.

Der 3. Februar schließlich ist der Gedenktag des Märtyrers Blasius. Er soll der Legende nach aus dem Gefängnis heraus, in dem er wegen seines Glaubens saß, durch Gebete ein Kind vor dem Ersticken an einer Fischgräte gerettet haben. Seit dem 6. Jh. wird Blasius schon als Schutzheiliger bei Halskrankheiten verehrt. Der Segen mit den gekreuzten Kerzen soll auf seine Gefängniszeit hinweisen.   
 

Text: Dieter Ofenhitzer, Neuses a. B. 

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