Julius Echters Versuch der Gegenreformation
1573 wurde nun Julius Echter Fürstbischof von Würzburg. Er trat ein schweres Erbe an. Das Hochstift Würzburg war schwer verschuldet, sehr viele Städte waren evangelisch geworden und von Würzburg abgefallen. Auf einem Reichstag hatte man sich ja auf den Grundsatz geeinigt: cuius regio, eius religio – Wer die Herrschaft hat, bestimmt auf die Religion. Julius Echter musste also fürchten, dass sein Gebiet ganz evangelisch, dass er ein Fürst ohne Land wird. Ab 1582 versuchte Julius Echter nun die Gegenreformation durchzuführen, die Leute also wieder katholisch zu machen. So befahl er 1586 der Stadt Dettelbach die Rückkehr zum katholischen Glauben. Aber er hatte einen schweren Stand. Die Bürger gingen in die benachbarten evangelischen Dörfern zur Kirche. Dettelbach wollte sich mit der evangelischen Stadt Nürnberg gegen Würzburg verbünden, um von Würzburg frei zu werden und evangelisch bleiben zu können. Julius Echter schickte einen sehr guten Pfarrer nach Dettelbach, den Jesuiten Gerhard Payer, einen begnadeten Prediger. Aber auch er schaffte es nicht, alle zu überzeugen, so mussten 70 evangelische Familien auswandern.
Großen Eindruck aber machte auf die Menschen 1590 ein Ereignis in der Sakristei der Wallfahrtskirche. An einer Frau aus Würzburg wurde der Exorzismus vollzogen, die dadurch wunderbar geheilt wurde. Viele Leute verstanden dies wie ein Gottesurteil, wie eine Bestätigung des wahren Glaubens: „in meinem Namen werden sie Dämonen austreiben“ (Mk 16,17) Ebenso dachte man daran, am 7.10.1571 hatte man im Vertrauen auf die Hilfe Marias die Türken, die Feinde des Glaubens, in der Seeschlacht von Lepanto besiegt.
Dettelbach, als ein Ort, wo die Hilfe Marias erfahren wurde, war wieder in aller Munde. Sogar der Bayernherzog Wilhelm von Bayern besuchte die Wallfahrtskirche, als er 1591 am Gründungsfest der Universität Würzburg teilnahm. Der Weihbischof von Würzburg, Eucharius Sang, schrieb 1607 ein Buch über die Wallfahrt und die Wunder von Dettelbach ganz im Sinne von Julius Echter. Wunder geschahen nicht nur im Leben Jesu, nicht nur in Altötting, sondern auch hier und heute in Dettelbach. Diese Wunder bestätigen die rechte Lehre. So wollte Julius Echter Dettelbach zu d e m Wallfahrtsort seiner Diözese machen. Die Wallfahrt hätte den Vorzug, ihr Ursprung beruhte auf einem historischen Ereignis, es war fast noch im Gedächtnis der Leute und war durch neue Wunder bestätigt. So förderte er die Wallfahrt nach Dettelbach. Und eine Wallfahrt mit großem äußerem Gepränge wie Fahnen usw. machte den Leuten Freude und war wie eine große Demonstration des Glaubens. So wuchs die Wallfahrt von Jahr zu Jahr. Viele Einzelne und Prozessionen aus der ganzen Umgebung zogen zur kleinen Kapelle nach Dettelbach. Nicht nur, weil die Kapelle zu klein wurde für alle Pilger, sondern weil diese blühende Wallfahrt Julius Echter als eine wichtige Stütze erschien, die Leute wieder zum katholischen Glauben zurückzuführen, plante er eine Erweiterung der Wallfahrtskapelle.1608 wurde mit dem Bau begonnen. Man riss das Kirchenschiff weg und baute an den bestehenden Chor ein größeres Schiff an, dass jetzt das Bildstöckchen mit der Madonna im Zentrum der Kirche stand. Und am 8. September 1613 konnte sie mit einem großen Fest eingeweiht werden. Wer in Würzburg Rang und Namen hatte, war da dabei. Sieben Zelte wurden aufgebaut, ca. 3000 Leute wurden von dem sonst so sparsamen Bischof Julius Echter verpflegt, auch die Protestanten wurden eingeladen. Julius Echter hat wohl an die 300 Kapellen und Kirchen renoviert und gebaut, keine von ihnen aber war so prächtig wie die Wallfahrtskirche von Dettelbach.
Ein Franziskanerkloster in Dettelbach
Wegen der schönen Kirche strömten noch mehr Leute herbei und Julius merkte, diese Wallfahrt braucht eine richtige Betreuung. Hatte er 1612 noch ein Mesnerhaus neben der Wallfahrtskirche bauen lassen, so bemühte er sich jetzt um Mönche oder Ordensleute. 1616 schloss er einen Vertrag mit der Straßburger Franziskanerprovinz, dass sie mit mindestens 24 Franziskanern dieses Kloster besiedeln sollten. Julius selbst stiftete die Mittel für das Kloster. Als Unterhalt bekamen die Franziskaner das Altaropfer und die Erlaubnis, in Notfällen in der ganzen Diözese betteln zu dürfen. So sind seit dem 20.3.1616 ununterbrochen Franziskaner in Dettelbach. Das Kloster wurde erst 1620 fertig. Julius Echter erlebte dies nicht mehr, er starb am 13.9.1617. Aber die Wallfahrt von Dettelbach lebte und blühte.