Sonntag, 29. März 2009: In der bewegten Geschichte der Pfarrei Euerfeld St. Michael markiert dieser Tag einen ganz besonderen Höhepunkt, ja ein Jahrhundert-Ereignis. Denn an diesem Tag wurde das komplett umgestaltete Gotteshaus mit der Weihe des neuen Altars durch Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele nach eineinhalbjähriger Bauzeit seiner erneuerten Bestimmung übergeben.
Motor der Neugestaltung war Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, Bau- und Kunstreferent der Diözese Würzburg. Er hatte einen kühnen Plan entwickelt und fand in Kirchenpfleger Anton Rössner schnell einen Verbündeten. Seine Vorstellung: das Gotteshaus sollte ein neues liturgisches Konzept erhalten, das sich allein schon durch die Kreuzform des Kirchenraums anbot. Der Altar als Herzstück der Kirche sollte in die Mitte der Gemeinde nach vorn verschoben, die Bänke in den beiden Seitenschiffen um 90 Grad zum Altar hin gedreht werden. Der Kitzinger Dekan Herbert Baumann, seinerzeit Administrator der Pfarrei, drückte es so aus: „Christus ist dann mitten unter seinem Volk“.
Historie
Und noch ein Gedanke trieb Lenssen um, der die Renovierung in den 60er Jahren vor Augen hatte: „Ich möchte diesem Gebäude seinen geschichtlichen Bezug zurück geben.“ So sollte beispielsweise auf dem neu gestalteten Hochaltar die Figur des Kirchenpatrons St. Michael wieder ins Zentrum rücken. Auch die seinerzeit zugemauerten Rundfenster sollten wieder freigelegt werden.
Im September 2007 wurde von P. Johannes Messerer, inzwischen für die Pfarrei zuständig, der letzte Gottesdienst in St. Michael gefeiert. Während die Gemeinde ins Feuerwehrhaus ausquartiert wurde, rückten ehrenamtliche Helfer an und begannen, die Inneneinrichtung der Kirche zu entfernen: Bänke, Boden, Heiligenfiguren, Altäre. Bald glich das Gebäude mehr einer Baustelle als einem Gotteshaus. Dabei war zu spüren, dass den Euerfeldern ihre Kirche ein Herzensanliegen ist. Unzählige freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet, allen voran von Kirchenpfleger Anton Rössner und der Kirchenverwaltung. Aber auch viele andere packten unermüdlich mit an, bis dann endlich die Putzteams den Gottesdienstraum für die Altarweihe herrichten konnten.
Und wer selbst nicht mit Hand anlegen konnte, der beteiligte sich mit Spenden an dem Projekt. Viele Einheimische, aber auch etliche ehemalige Euerfelder griffen für die Renovierung tief in die Tasche. Bis November 2009 waren so insgesamt 74 000 Euro an Spenden zusammen gekommen. Die Gesamtausgaben für das Projekt einschließlich der nötigen Außensanierung des Turms beliefen sich auf rund 812 000 Euro. Die für die Außenrenovierung des Turmes anfallenden Kosten in Höhe von rund 26 000 Euro übernahm die Stadt Dettelbach, die sich mit dem Zuschuss für die später folgende Orgel insgesamt mit rund 135 000 Euro an dem Vorhaben beteiligte. An den 786 000 Euro, die zur Finanzierung durch die Gemeinde blieben, übernahm die Diözese Würzburg den Löwenanteil in Höhe von 334 000 Euro.
„Die Renovierung ist ein Gemeinschaftswerk“, sagte Rössner 2009 nicht ohne Stolz. Pfarrer P. Johannes Messerer, Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat und viele Gläubige haben nach seinen Worten mit großem Engagement und Arbeitseinsatz mitgeholfen, dass die Kirche in neuem Glanz erstrahlt. Aber auch die beteiligten Firmen arbeiteten gut Hand in Hand, so dass am Ende alle rundum zufrieden waren.
Nach eineinhalb Jahren Bauzeit präsentiert sich die Kirche hell, einladend und freundlich. Es dominieren warme Töne, Buntsandstein und Gold. Theologisch wie künstlerisch war das von Lenssen entwickelte Konzept baulich überzeugend ausgeführt. Der Bezug zur Baugeschichte wurde nicht nur durch die Öffnung der zugemauerten Rosetten und die Platzierung des Heiligen Michael auf dem Hochaltar hergestellt, sondern auch durch die Verwendung der früheren Farben Blau, Beige und Rot für Wand, Sockel und Friese.
Der neue, von Domkapitular Lenssen selbst entworfene Hauptaltar aus rotem Buntsandstein nimmt die Kreuzsymbolik des Raums gleich mehrfach auf, etwa in seiner Zahlmystik oder in der von einem Kreuz umschlossenen Würfelform. Die renovierten, in warmem Braunton gehaltenen Bänke der beiden Seitenschiffe wurden um 90 Grad zum Opfertisch hin gedreht, der große vergoldete Radleuchter über dem Hauptaltar betont zusätzlich dessen zentrale Funktion.
Die Mittelachse läuft vom Hauptaltar über den neuen Ambo auf den von Gold umglänzten Hochaltar zu. Den restaurierten Tabernakel flankieren zwei Engelleuchter aus der Werkstatt von Schiestl. Sie wurden ebenso wie das Ewige Licht über dem Hochaltar aus dem Fundus der Diözese Würzburg als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Im Chorraum wurden die beiden hohen Fenster ersetzt. Bei den nun dargestellten Heiligen handelt es sich um Maria Magdalena und den eher selten zu findenden Heiligen Longinus. Die farbenfrohen Glasbilder aus Paderborn wurden mit blauen Flächen nach oben und unten verlängert, um einen abgerundeten Gesamteindruck zu vermitteln.
Die beiden Seitenaltäre sind mit einem Vorbau angedeutet und bieten Platz für zwei große Bilder: Rechts hängt eine Kreuzigungsszene, links Mariä Heimsuchung. Ebenfalls wieder im Gotteshaus findet sich der alte, wunderschön restaurierte Kreuzweg, der zuvor Jahrzehnte im Turm vor sich hingedämmert hatte. Zentral im Chorbogen hängt nun das restaurierte Kreuz frei im Raum, das früher über dem Hochaltar seinen Platz hatte.
Neben der Neugestaltung des Kircheninnenraums galt es das von Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogene Mauerwerk zu schützen. Deshalb wurden zwei Heizschlangen im Sockel und auf 50 Zentimeter Höhe verlegt, die eine Durchfeuchtung der Wände verhindern sollen. Diese Heizung, die zusätzlich zur bereits vorhandenen Bankheizung installiert wurde, wird mit einer ökologisch sinnvollen Luft-Wasser-Wärmepumpe betrieben.
„Hier ist wahrhaftig die Pforte des Himmels und das Haus Gottes“, rief Bischof Scheele bei der Altarweihe den Gläubigen im überfüllten Gotteshaus zu. Gott wolle die Mitte unseres Lebens und der Gemeinde sein. Der Altar sei das Zeichen des Dankes und der Verbundenheit mit Gott. Höhepunkt des festlichen Gottesdienstes war die Weihe des neuen Altars. Zunächst wurden die Reliquien der Heiligen Burkhard, Felix und Viktoria im Altar beigesetzt. Nach der Besprengung des Altars mit Weihwasser und der Salbung mit Chrisamöl wurden auf dem Altar fünf Weihrauchfeuer entzündet und vom Bischof das Weihegebet gesprochen. Danach wurden die Feuer gelöscht, der Altar gereinigt und für die erste Eucharistiefeier mit einem weißen Altartuch gedeckt.
Ein Gotteshaus wie die Euerfelder Pfarrkirche habe er schon lange nicht mehr erleben können, sagte Dettelbachs Bürgermeister Reinhold Kuhn anerkennend in seinem Grußwort im Sportheim. Architekt Dag Schröder (Schweinfurt) sprach von einer „wohltuenden, reduzierten Ordnung“ in dem neu gestalteten Gotteshaus. Bei der jetzt durchgeführten Innenrenovierung handle es sich um die „grundlegendste Änderung des Gotteshauses seit 126 Jahren“.
Den Wermutstropfen, den es bei der Wiedereröffnung der Pfarrkirche zu schlucken galt, war die fehlende Orgel. Die Mechanik des alten Instruments war durch Temperaturschwankungen so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Doch die Suche der Gemeinde hatte Erfolg. Am Sonntag, 13. März 2011, konnte Weihbischof em. Helmut Bauer die neue Orgel weihen. Beim Festgottesdienst spielte Regionalkantor Christian Stegmann das Instrument. Die Orgel wurde 1955 für die evangelische Schlosskirche im schwäbischen Tettnang gebaut. Sie verfügt heute über zehn Register und 676 Pfeifen. Der Prospekt wurde farblich und von der Form her an den Hochaltar angeglichen und so passt sich das Instrument gut in das Gesamtensemble ein.

